Die neunte Generation IX/4A












bis


Tochter des Georg Heier und der Clara Rudolph (s.VIII/2E)

CHARLOTTE HEIER (IX/4A)

geb. Berlin 22.3.1905; gest. ***

Was wurde aus dieser Tochter einer zerbrochenen Ehe? - Noch ehe der gesetzmäßige Vater Georg Heier gemütskrank starb, verzog die fünfunddreißigjährige Mutter 1905 mit ihrem sechs Monate alten Kinde von Berlin N, Elsäßer Str. 25 nach Klitten /Oberschlesien. Sie soll sich mit einem Fuhrunternehmer aus Rummelsburg (welches? - in Pom­mern oder der gleichnamige Stadtteil von Groß-Berlin?) erneut verhei­ratet haben.


Die neunte Generation IX/5A bis IX/5G

Kinder des Peter Ernst Heier und der Berta Mau (s.VIII/2F)

FRANZ HEIER (IX/5A)

geb: Kuhtz 14.6.1901; gest. 12.6.1982 in Lauingen

(Bild: Franz Heier)





als erstes von sieben Kindern des o.g. Ehepaares.

Verheiratet Kuhtz 4.4.1924 mit



IDA OBRY

geb. Martinshagen 21.10.1904; gest. 18.8.1987 in Lau­ingen/Donau. Das Ehepaar feierte am 4.4.1974 ihre Goldene Hochzeit. - Ida Obry als zweites Kind aus zweiter Ehe des Rein­hold Obry, geb. Martinshagen 2.10.1857; gest. Kuhtz 10.2.1946 und (in zwei­ter Ehe) der Emilie Warnke, geb. Kluß, 27.8.1863; gest. Kuhtz 12.6.1934. - Reinhold Obry war Landarbeiter, Schweine­hirt und Kuhfütterer.

Kinder aus dieser Ehe:

  1. Ursula, geb. Kuhtz 08.08.1924

  2. Kurt Kuhtz 11.11.1925

  3. Ingeborg Bln-Charlottenburg 30.04.1929

  4. Brigitte Bln-Niederschönhausen 02.10.1939

  5. Peter Berlin-Pankow 19.03.1941


Nähere Einzelheiten über sie siehe X/6A - 6E

Franz ist 180 cm groß, mittelblonder Haarfarbe und blauäugig. Von Beruf Stellmacher, als unabkömmlich in einem Rüstungsbe­trieb beschäftigt, daher nicht zur Wehrmacht eingezogen.

Nach wiederholten Luftangriffen auf Berlin suchten seine Frau mit den beiden jüngsten Kindern Brigitte und Peter Zuflucht bei einem Schwager in Limbrechtshof, Kreis Schlawe.- Letzte Nach­richt: Postanschrift 8882 Lauingen/Donau, Eichenstr.2 - Franz arbeitet jetzt (25.2.1948) als Lagerist in einer Eisengroßhand­lung. Lt. Mitteilung von Helmuth Heier (X/8B) vom 17.9.1970 lebt er jetzt bei einer Tochter in Lauingen.

[HHH bei seiner Aufarbeitung der Unterlagen, 1993: Von diesen Seiten an beginnen zunehmend handschriftliche Nachträge, die nicht in allen Fällen von mir einwandfrei entziffert werden können!]


Die neunte Generation IX/5B

Kinder des Peter Ernst Heier und der Berta Mau (s.VIII/2F)

KARL HEIER (IX/5B)

geb. Zirchow A 31.10.1902; gest. Berlin Wilmersdorf 28.12.1945 an Schwindsucht. Das zweite Kind von sieben des o.g. Ehepaares.



(Bild: Karl Heier)

verheiratet Berlin N.W. am 7.9.1929 mit



ELISABETH PAPE 1) 2)

geb. Ratzeburg-St.Georgsberg. 19.2.1903; gest. 23.1.1992
im Pflegeheim bei Ratzeburg - Kinder­lose Ehe. -

Karl war 180 cm groß, schwarzer Haarfarbe, grauäugig und linkshändig; letztere Eigenart kommt sowohl bei den Nach­kommen des Großvaters Friedr. Wilh. Heier (s.VII/1G) als auch des Großonkels Joh. Ferd. Heier (s.VII/1B) vor.- Als Dreiundzwanzigjähriger war er aus seinem verkehrsarmen Heimatdorf nach Berlin gekommen, um als Kraftfahrer einen Omnibus der Berliner Verkehrsgesellschaft durch das verwir­rende Gewimmel der Reichshauptstadt zu steuern. Gesundheit­lich war ihm diese Berufswahl nicht zuträglich, denn der dau­ernde Aufenthalt in benzingeschwängerter Luft führte 1939 zu einer Tuberkuloseerkrankung. Ende Dezember 1945 in dem kriegszerstörten Berlin gestorben.

Mit seiner Elisabeth hatte er in einträchtiger Ehe gelebt, allerdings ohne Anwart­schaft auf Nachkommenschaft. Sie war im Kriege als Posthelferin dienstverpflichtet. Im letzten Sommer erwarb sie ihren Lebensunterhalt durch Arbeit bei Bauern, jetzt, im Winter, durch Stricken. Das Wohnhaus des Ehepaares, in dem es seit Jahren eine Mietwohnung innehatte, hat den Bom­benkrieg und die Straßenkämpfe überstanden.
[G.H. 2.12.1947]

ERLÄUTERUNGEN

1) Elisabeth Pape ist das zweite von sechs Kindern des Zimmermanns Johann Pape, geb. Ratzeburg 19.12.1875 und dessen Ehefrau Karo­line Karstens, geb. Ziethen bei Ratzeburg 5.5.1877. Beide wohnhaft: Ratzeburg, Bergstr.52

Elisabeth Heier, geb. Pape, lebte nach dem Tode Karls mit einem Mann namens Albert Bambour zusammen, der als Buttler in der Stadt-Kommandan­tur der Besatzungsmächte tätig war. [HHH: nach An­gaben von Günther Hei­er (IX/5G) am 29.11.94]

[HHH2000): Gudrun Görs (X/7D, Tochter von Erich Heier) berichtet über Elisabeth weiter:
Lisbet, wie sie genannt wurde, lebte später mit Albert Bambour zu­sammen. Er war geboren am 13.10.1901 und ist am 15.10.1980 ge­storben. Lisbet hat uns als Einzigste noch einmal in Pommern besucht, als die Polen dort waren. - Sie kam am 18.02.1956 bei klirrender Kälte in Wieck auf dem Bahnhof an, von wo Papa und Anita sie abgeholt haben. Sie hatte viele Laufereien auf sich genommen, um am 21.02.1956 zum 80. Geburtstag ihrer Schwiegermutter nach Pommern fahren zu können.
In dieser Zeit haben wir viele Pakete von ihr bekommen. Sie war eine herzensgute Frau.


Die neunte Generation IX/5C

Kinder des Peter Ernst Heier und der Berta Mau (s.VIII/2F)

WANDA HEIER (IX/5C)

geb. Kuhtz 7.2.1906; gest. Elsdorf-Giesendorf 16.5.1990



(Bild: Wanda Heier)

Verheiratet Kuhtz 10.4.1928 mit dem Erbhofbauern



MAX SYRING

geb: Zitzmin 5.1.1907; gest. Elsdorf-Giesendorf 23.3.1987

Sohn des Großbauern Anton Syring und der Ida Palow. - Wan­da ist 165 cm groß, dunkelblonder Haarfarbe und braunäugig. - Von den zwei Söhnen des Anton Syring erhielt Max bei seiner Heirat ca. 30 Morgen Acker, 7 Morgen Wiesen und etwa 40 Morgen schlagreifen Waldes.

Der zwar kleine, aber neuzeitliche, entwicklungsfähige Erbhof wurde teilweise aus den Mitteln eines zinsfreien Siedlungszu­schusses erbaut. - Syring ist ein sehr tüchtiger Landwirt und ein leidenschaftlicher Jäger. Seit mehreren Jahren betreibt er als Großeinkäufer für Berlin einen Beeren- und Pilzhandel. Mit diesem Geschäft kam er so gut voran, daß er sich im Frühjahr 1939 einen Personenkraftwagen mit Anhän­ger zur Beschleunigung seiner Warentransporte anschaffen mußte. Was er an diesem zusätzlichen Handelsgeschäft ver­dient, wird zur weiteren Ausgestaltung der Landwirtschaft ver­wendet. - Nach Teilnahme am Polenfeldzug wurde er im Dezember 1939 wieder in die Heimat entlassen, aber am 22.12.1943 erneut zur Wehrmacht (Nachrichtentruppe) einge­zogen2) – Vier Kinder aus dieser Ehe:1)

  1. Erwin, geb. Kuhtz 4.4.1927.

  2. Sigrid Syring1)2), geb. Zitzmin 9.1.1929;

  3. Gerhard, geb. Zitzmin 11.5.1937.

  4. Walter, geb. Zitzmin 11.5.1940.


Die neunte Generation IX/5D

Kinder des Peter Ernst Heier und der Berta Mau (s.VIII/2F)

ERICH HEIER (IX/5D)

(Bilder: Erich Heier (IX/5D - 1933 und(1955/56)

geb. Kuhtz 16.6.1907; gest. 25.10.1985 in Elsdorf

Verheiratet Adophium 3.11.1933 mit



MARTHA KOSANKE

geb. Zirchow A, Kreis Schlawe 28.7.1907; gest. Elsdorf 12.3.1981 im Krankenhaus Bergheim/Rhld.
- Tochter des Wilhelm Kosanke und der Berta, geb. Rosin.

(Bilder: Martha Kosanke 1955/56 und 1968)



In Kuhtz geborene Kinder aus dieser Ehe:

  1. Anita, geb. 25.11.1934;

  2. Ingeborg, geb. 23.12.1935, verheiratet am 13.12.63 mit Walter Nemitz, geb. 11.10.1937. - Inge starb 24.8.98 (Herzleiden, Schlaganfall) -

  3. Manfred, geb. 26.1.1938; Manfred starb 8.7.97.
    verheiratet mit Liselotte Smo­lenski, gesch. Bertram, geb. 9.5.1932, gest. nn.nn.nn.

  4. Gudrun, geb. 20.4.1942;



Erich, von sieben Kindern des o.g. Ehepaares das vierte, ist 175 cm groß, mittelblond, Augenfarbe: dunkelblau.

Als der Vater Peter Ernst Heier Rentner wurde, erhielt die Fami­lie eine Kündigung auf das Wohnrecht im Kätnerhaus. Diese könn­te nur abgewendet werden, wenn zwei der Kinder wieder auf dem   v. Schliefenschen Gut arbeiten würden.

Die älteren Brüder hatten sich dieser Zwangsverpflichtung durch Abwanderung in die Stadt entzogen, während sich der Bruder Erich dieser Forderung beugte. Dem spät und zuletzt gebore­nen (1934 schulentlassenen) Günther blieb unter diesen Umständen zunächst auch nichts anderes übrig als ebenfalls auf dem Gut zu arbeiten.

Eine gehobenere Ausbildung wurde in Kuhtz nicht geboten und für den Besuch einer höheren Schule, in Schlawe etwa, fehlte das Geld. So schleppte Günther als Knabe Holzspäne an die Dampf­maschine, die das Gatter des Gutssägewerks antrieb und arbeitete später selbst am Gatter. Man lebte von dem Deputat, das die Unterkunft und einiges an Lebensmitteln sicherte, auch die Hal­tung einer Kuh war gestattet, aber Barmittel blieben immer knapp. Dieser Bericht findet seine Fortsetzung unter (IX/5G) Günther Heier, von dem die Angaben hierzu stammen.


Die neunte Generation IX/5E-5F

Kinder des Peter Ernst Heier und der Berta Mau (s.VIII/2F)

ERNST HEIER (IX/5E)

geb. Kuhtz 19.2.1910; gest. 18.8.1910 (Zahnkrämpfe)


Die neunte Generation IX/5F

Kinder des Peter Ernst Heier und der Berta Mau (s.VIII/2F)

WALTER WILHELM ERNST HEIER (IX/5F)

geb. Kuhtz 19.4.1913; gest. 6.6.79 in Berlin, als sechstes der siebenköpfigen Kinderreihe des o.g. Ehepaares.

(Bild: Walter Heier)



Verheiratet Berlin-Charlottenburg am 13.11.1937 mit der Bau­erntochter

HILDEGARD FAUCK

geb. Zitzmin 5.1.1915; gest. 23.12.89 - Ihre Eltern: Karl Otto Fauck und Anna Caroline, geb. Plath. Siehe noch zu schreibende Ahnentafel im zweiten Teil. Ihre Kinder bisher:

  1. Roswitha Angela Gudrun Ingrid, am Geburtstag ihres Vaters, am 19.4.1938

  2. Helmuth Eberhard Walter Klaus, geb. Berlin-Charlotten­burg am 30.8.1939.

Walter ist 172 cm groß, mittelblond, blauäugig, und wie sein Bruder Karl linkshändig. Ein begeiste­rungsfähiger Mensch, der bei der Getreide-Kreditbank, Berlin, das Bankfach erlernte, wo er sich anschließend als Angestellter mit gutem Erfolg durchsetzte. 1938 machte er eine dreimonatige Wehrmachtsübung mit, wurde im Oktober 1939 zum Kriegsdienst einberufen, am 1.5.1940 Gefreiter, am 1.2.1941 Unteroffizier und am 1.9.1943 Wachtmeister, ausge­zeichnet mit dem Kriegsverdienstkreuz II.Klasse mit Schwertern und der Ostmedaille. - 1944 wurde er zu einem Schirrmeister­kursus abkommandiert.

Selbst dann noch, als sich anglo-amerikanische Truppen über die unzerstört gebliebene Rheinbrücke bei Remagen in unser Land wälzten und Bomberschwärme Tag für Tag wehrlose Städte in Schutt und Asche legten, schrieb mir Walter, daß seine Einheit im Westen zum Einsatz gelangt sei. Als mich nach monatelanger Wartezeit sein nächster Brief erreichte, hatten alle deutschen Wehrmachtsteile schon längst die Waffen gestreckt; er enthielt die Mitteilung, daß sich Walter als amerikanischer Kriegsgefangener in einem französischen Lager befinde. Ihm, der so großen Anteil an der Entstehung vorliegender Sippenge­schichte besitzt, sei es vorbehalten, nach seiner Heimkehr wei­teres über seine Kriegserlebnisse zu berichten.

Bei der Zwangsarbeit am Breitdrescher in Kuhtz erlitt seine Frau Hildegard einen Bluterguß am rechten Knie, der zu so schweren Vereiterungen führte, daß der Verlust des Beines zu befürchten war. Acht Wochen lang blieb sie auf ihrem Krankenlager gefesselt. Wir müßten an der Menschheit verzweifeln, hätte die russische Volksseele nicht auch humenes Denken bekundet. Der Hilde­gard behandelnde russische Arzt sorgte nicht nur für ihre Aus­heilung, sondern schenkte ihr noch 5000 Alliierten-Mark, wodurch sie für einige Zeit der Geldsorgen enthoben war. Von deutschen Soldaten, die als Versprengte durch die von Russen besetzten Gebiete heimwärts strebten, wurde berichtet, russi­sche Fahrzeuge hätten sie eine Strecke des Weges mitgenom­men, und sie mit Lebensmitteln für den beschwerlichen Weiter­marsch ausgestattet.

Die sonstigen Drangsale wurden nach Ablösung der russischen Besatzung durch polnische Truppen­teile ganz erheblich ver­schärft. Diese beschlagnahmte alle Wirt­schaften und betrachte­ten sonstiges Hab und Gut als ihr Eigen­tum. Schlecht ging's dem Mannsvolk, das sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatte. Es wurde in polnische Internie­rungsläger ver­schleppt. Kein Wunder, daß unter polnischer Herrschaft kein Stückchen Land mehr besät wurde. Den immer unerträglicher werdenden Zuständen entfloh Hildegard mit den beiden Kin­dern im Dezember 1945; auch ihre Mutter ging mit, während sich der Vater von seiner Scholle nicht trennen konnte. Nach einer Leidensfahrt gelangte die Reisegesellschaft am 21. Dezem­ber 1945 nach Berlin. Was sie an Gepäck mit sich führte, wur­de unterwegs geraubt, ja, der Mutter zog man sogar ihren Wintermantel aus. Viele Reisegefährten dieses Transports trafen demzufolge halbnackt und ohne Schuhzeug in der Ruinenstadt Berlin ein, wo russische, amerikanische und englische Besat­zungsbehörden in abgesonderten Zonen - jede nach eigener Weise - das Schicksal unseres geschlagenen Volkes bestimmten. Vor ihrer Charlottenburger Wohnung stehend, mußte Hilde­gard dann erleben, daß eine zwischenzeitlich darin einquartier­te, bombengeschädigte Familie ihr das Wohnrecht in ihrer eige­nen Behausung streitig zu machen suchte. Schließlich gestatte­te man ihr wenigstens die Benutzung eines kleinen Zimmers, in dem sie und ihre Kinder mangels Betten auf dem Fußboden schlafen mußten. Von Fensterschäden abgesehen, hatte das Haus die Stürme des Krieges überstanden.

Das weitere Schicksal dieser Familie harrt noch der Beschrei­bung, ehe ihr hoffentlich bald heimkehrendes Oberhaupt den Stoff für das nächste Kapitel vorliegender Sippengeschichte lie­fern kann. Möchte sich bis dahin der eiserne Vorhang lüften, der uns über das traurige Los aller übrigen, östlich der Oder verbliebenen Sippen-Angehörigen in so grausamer Ungewiß­heit läßt.

Letztbekannte Anschrift Walters (lt. seinem Brief v. 29.4.1945): Schirrmeister Walter Heier, 3iG. - 672 960 German US Army PWL. -France.


Die neunte Generation IX/5G

Kinder des Peter Ernst Heier und der Berta Mau (s.VIII/2F)

GÜNTHER HEIER (IX/5G)

geb. Kuhtz 7.11.1919; gest. 19.7.1999

Größe 180 cm, Augen: grau, Haarfarbe: dunkelblond

(BILD: Günther Heier (anläßl. eines Besuches bei G.H. in Würzburg)



Verheiratet wo? am 11.9.1948 mit

MARIA OSCHIETZKI .

geb. in Walsum am 29.5.1924, gest. nn.nn.97

Ihr Kind: Tochter Irmgard,1) geb. 8.6.1949.

[G.H. Text von 1948] Dieser Nachkömmling, von sieben Kin­dern des o.g. Ehepaares das jüngste, verspricht ein tüchtiger Kerl zu werden. Nach seiner Entlassung aus der Kuhtzer Dorf­schule betätigte er sich einige Jahre als Mühlen- und Forstge­hilfe. - Nach Ableistung seiner halbjährigen Arbeits­dienstpflicht vom 1.4. bis 1.10.1938 begann am 30.11.1938 seine Wehrausbildung bei der Flak. Im Oktober 1939 wurde er zum Gefreiten, am 1.10.1940 zum Unteroffizier befördert. -

Hier die Fortsetzung des Berichtes von Günther (siehe auch S.322): Erich und Günther waren also durch den Gutsherrn mehr oder weniger gezwungen, zum Erhalt des Deputats wei­ter auf dem Gut zu arbeiten.

Wenn sie denn keinen Drang zur Verbesserung ihrer Lebensum­stände verspürten, band man als adlige Gutsherren seine Arbeitskräfte noch ganz nach Art der längst überkommenen Leibeigenschaft an sich und konnte auf diese Weise auch immer wieder mit weiteren unselbständigen Nachkommen rechnen. Ihnen blieb praktisch keine andere Wahl, weiter auf dem Gut zu arbeiten. Da die geringen Barmittel auch die Höhe einer zukünftigen Rente bestimmten, - 90 Pfennige wurden hier im Jahre 1938 monatlich als Marken geklebt - konnte man damit rechnen, aus dieser mittellosen Gruppe weiterhin Nachwuchs für die Landarbeit zu gewinnen.

Günther hatte von seinem Leben indessen andere Vorstellun­gen. Er entzog sich diesem Zwang am 30.11.1938 durch Ein­tritt in die Wehrmacht und wurde Soldat im Regiment General Göring. Auf diese Weise wurde er allerdings auch Kriegsteilneh­mer des ersten Tages. Er diente an verschiede­nen Fronten, so im ersten Jahr des Krieges bei St. Malo (Pleur­tuit). Bei Kämpfen um den Brückenkopf von Küstrin erlebte er als Wachtmeister (?) in sei­ner Einheit am 18.4.45 das Kriegsen­de. Es gelang ihm, sich nach Westen abzusetzen. Bei Lauenburg an der Elbe geriet er in englische Gefangenschaft. Weitere Sta­tionen: Lüneburg (Ruhr­krankheit) und Lüchow-Dannenberg, schließlich die offizielle Entlassung in Munsterlager am 11.7.1945, wonach er zunächst bei dem Schwiegervater seines Bruders Karl, Johann Pape, in Ratzeburg unterkam. Bei unzu­reichender Ernährung arbeitete er hier als Gatterschneider, lernte später Autogenschweißen. Um sich "aufzupäppeln" arbeitete er zwischen­durch bei einem Bauern in Schlüsselburg, wo er auf einem Feu­erwehrball auch seine spätere Frau Maria Oschietzki kennen­lernte.

Maria, die aus Walsum stammte, war im Krieg zum Arbeits­dienst dienstverpflichtet, später in Bremen als Straßenbahnfah­rerin und anschließend (1944), als Laborantin in einem Labor der Ruhrchemie tätig. 1948 lebte sie als Näherin in Stolzenau.

Zu dieser Zeit arbeitet Günther in Dinslaken bei einer Firma zur Stahlverwertung, die noch brauchbare Stahlträger aus dem Trümmerschutt zur Wiederverwendung (her-)richtete. Als die­se Firma bankrott machte, arbeitete Günther bei verschiedenen Firmen im Straßenbau, zunächst im Tiefbau, später im Straßenbau. 28 Jahre war Günther tätig, zuletzt als Polier. Als seine Firma einen Auftrag in Eschweiler erhielt, den Günther beauf­sichtigte, wohnte er vorübergehend bei seiner Schwester Wanda in Bergheim, wohin sie die Flucht aus Pommern schließlich ver­schlagen hatte. Nach einem Herzinfarkt im Jahr 1980 und anderthalbjähriger Krankheitsdauer erhielt Günther dann 1982 die volle Rente. Marias Vater, Joseph Oschietzki, stammte aus Oppeln und ging als Bergmann ins Ruhrgebiet.

 

 Die neunte Generation IX/5A-5G

 

Zuletzt geändert: 07.07.2002, 17:18:24