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Schon
zu Lebzeiten meiner Großmutter Wilhelmine Friederike
Brandenburg keimte in mir der Plan, die
Lebenserinnerungen unserer ehrwürdigen Alten in einem
Ahnenbuche zu verewigen. Vorerst aber wollte ich meine
Lebensleiter erklommen haben und einen Rockzipfel Fortunas
erhaschen. Bis mich nach Jahren mein grau gewordenes Haar
gemahnte, vorsorglich mein Haus zu bestellen und langgehegte
Vorsätze nicht länger aufzuschieben. Erschwert wurde
die Verwirklichung dadurch, daß mittlerweile mancher alte
Zeuge der großelterlichen Generation sein Wissen mit ins
Grab genommen, und mich mein Schicksal fernab von unserer
ostpommerschen Ursprungsheimat nach Thüringen verschlagen
hatte. Aus solcher Ferne wurmstichige Familientruhen nach
vergilbten schriftlichen Überlieferungen unserer bäuerlichen
Ur-Ahnen durchstöbern zu wollen, wäre törichtes
Beginnen gewesen, war doch ihr Werkzeug der Pflug, nicht der
Federkiel. Wie hätte ich nun wohl die verwehten Lebensspuren
unserer Vorfahren auffinden können, hätte nicht auch
meinen braven Vetter Walter Heier (s. IX/5F) der Forschungsdrang
ergriffen! Mir zu helfen, opferte er viele Urlaubstage, um
Einträge über Träger unseres Namens aus
heimatlichen Kirchenbüchern in zusammenhangloser Ordnung
abzuschreiben. Alsdann paßte ich in jahrelanger
Sammelarbeit die zusammengehörigen Bruchstücke zu einem
Gesamtbilde der blutsverwandtschaftlichen Verflechtungen
aneinander. Nun da diese Grundarbeit vollendet vorliegt, wird
kaum jemand ihre Schwierigkeiten ermessen können. Sie
fortlaufend zu ergänzen, ist der Mühe leichterer Teil.
So hat denn unser gemeinsamer Fleiß ein
Werk in Gang gesetzt, von dem wir wünschen, es möge
nimmer einrosten. Dehalb sollte sich fortab stets einer der
Unsrigen finden, die Arbeit des ersten Chronisten unseres
Geschlechts fortzusetzen, wenn Freund Hein mich eines Tages
abberufen wird.
So eröffne und stifte ich denn diese
Sippengeschichte, die weiterzuführen sich stets ein
sippenbewußter Nachkomme verpflichtet fühlen möge.
Euch aber - liebe Heiers kommender Jahrhunderte - entbiete ich
Grüße aus unseren leiderfüllten Tagen.
Geschrieben
Schmalkalden 1945 zur Zeit der russischen Besatzung.
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